Entstehung der

Deutschen Burschenschaft

Bereits im 13. Jahrhundert entwickelten sich an den frühen Hochschulen des Mittelalters erste Formen studentischer Verbindungen. Vor allem im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen zeigten sich Eigenheiten des Verbindungswesens, welche in die Korporationen heutiger Prägung mündeten. Aus den ursprünglichen Bursen (Wohngemeinschaften) entstanden die späteren Landsmannschaften, Corps und Orden. Die Studenten standen jedoch durch ihr Benehmen oft im Gegensatz zu dem Bürgertum Ihrer Universitätsstadt. Noch im 19. Jahrhundert dominierten in der Verbindungslandschaft die Landsmannschaften und Corps, die gewisse Symbole aus dem Umfeld der freimaurischen Orden entlehnt hatten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte der Kampf gegen Napoleon und die französische Vorherrschaft in Europa zur Geburtsstunde eines neuen deutschen Nationalgefühls und war der Anlaß zur entscheidenden Umstellung des studentischen Gemeinschaftslebens. Schon im Jahr 1810 entwarfen Friedrich Friesen und Ludwig Jahn im Auftrag des geheimen “ Deutschen Bundes “ den Plan zur Schaffung einer deutschen Burschenschaft. Sie sollte Sonderverbindungen ausschließen und das Studententum „ moralisch verbessern, den deutschen Sinn beleben“ , wie in den Gründungsunterlagen so schön vermerkt ist. Gleichzeitig sollte damit der Kampf gegen die französische Unterdrückung eingeleitet werden. Große Teile des Studententums gliederten sich zu dieser Zeit in die Reihen der Kämpfer gegen Napoleon ein. Erwähnt sei hier das Lützow'sche Freikorps, in welchem viele Studenten kämpften und sich Jahns, Friesens und Arndts Ideeen weiterentwickelten. Man erhoffte sich statt der absolutistisch regierten Kleinstaaten die Entstehung eines deutschen Einheitsstaates. Nach dem Sieg über Napoleon im Jahr 1813 entstand 1814 als erstes in Halle eine Verbindung namens Teutonia. Diese war jedoch noch stark landsmannschaftlich geprägt. So beschloß ein Seniorenconvent am 29. Mai 1815 die Auflösung der Landsmannschaften und am 12.Juni 1815 wurde in der Tanne in Jena die Urburschenschaft gegründet. Als Wahlspruch wurde „ Ehre, Freiheit, Vaterland “ gewählt. Die angenommenen Farben „ schwarz, rot, gold“ entsprachen den Farben der Uniform des Freikorps (aus schwarzem Tuch mit roten Biesen, sowie goldfarbigen Knöpfen und Applikationen).

In der Einleitung der Verfassungsurkunde von 1815 heißt es : „Nur solche Verbindungen, die auf den Geist gegründet sind, auf welchem überhaupt nur Verbindungen gegründet sein sollten, auf den Geist, der uns das sichern kann, was uns nächst Gott als das Heiligste und Höchste sein soll, nämlich Freiheit und Selbständigkeit des Vaterlandes, nur solche Verbindungen benennen wir mit dem Namen einer Burschenschaft.“ Der Gründung der Urburschenschaft in Jena folgten rasch weitere Gründungen von Burschenschaften in Breslau, Erlangen , Heidelberg und anderen Universitätsstädten. Im Jahr 1817 , dem Jahrestag der Reformation ( 1517) und der Völkerschlacht bei Leipzig ( 1813) fand in Eisenach das Wartburgfest statt. Dort wurden gemeinsame Grundsätze und Beschlüsse verfasst, und auch ein erster Dachverband für alle Burschenschaften, die „Allgemeine Deutsche Burschenschaft“ gegründet.

Die im Verlauf dieses Festes aufgestellten Grundsätze und Beschlüsse des 18. Oktobers beinhalteten u.a. die Forderung :

Doch bereits im Jahr 1819 wurden durch die „ Karlsbader Beschlüsse“ die Burschenschaften wieder verboten. Dieses Verbot konnte jedoch die burschenschaftliche Bewegung nicht beenden und die Burschenschaften blieben auch in Zeiten der Verfolgung ihrem Ziel treu : Schaffung eines demokratischen Nationalstaates . In den weiteren Jahren bildeten das Hambacher Fest 1833, die Revolution von 1848 und die stark von Burschenschaftern geprägte Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt Höhepunkte der burschenschaftlichen Geschichte. Die Burschenschaften waren damit die wichtigsten Träger und Verfechter des nationalen Einheits – und Freiheitsgedankens. Mit der Gründung des zweiten deutschen Kaiserreiches sahen die Burschenschaften durch die vollzogene Einheit ihren Traum von einem einigen deutschen Staat erfüllt. Das eigentlich neue in der Gründung der Burschenschaft bestand darin, dass die Burschenschaft das Volk, den Einheitsstaat und die Verantwortung des Einzelnen gegenüber dem Ganzen in den Mittelpunkt des studentischen Lebens stellte. Die Erziehung von freien, sittlichen und opferbereiten Persönlichkeiten war dabei der Leitgedanke der Urburschenschafter als Kinder der Romantik, welcher bis heute Gültigkeit besitzt. Die Deutsche Burschenschaft ist heute mit ca. 120 Einzelburschenschaften in Deutschland und Österreich einer der größten Akademikerverbände in Europa.