Geschichte der

„Alten Brünner Burschenschaft Suevia zu Coburg“

Die Burschenschaft Suevia wurde im Jahr 1911 in Brünn gegründet. Brünn, eine ehemals freie deutsche Reichsstadt und die Hauptstadt Mährens, hatte ca. 300.000 Einwohner, davon ca. 100.000 Deutsche. Am 26. Febr. 1911 versammelten sich die Studenten Baduschek, Czechofsky, Scheithauer und Scholze der Höheren Staatsgewerbeschule und der Höheren Textillehranstalt Brünn im Haus des Deutschen Schulvereins in Hussowitz und gründeten die Burschenschaft Suevia. Bereits in der Zeit ab 1905 wurden in Brünn einige weitere Burschenschaften gegründet. Ausgelöst wurde diese deutsch-nationale Bewegung als Antwort auf einen großen  Slawen-Kongreß, welcher 1905 in Brünn stattfand. Die erste Konstante hatte Suevia in der Gaststätte im Haus des Deutschen Schulvereins. Suevia gab sich folgende Farben: Burschenband (von oben nach unten): schwarz-rot-gold mit grünem Rand;  Fuxenband: schwarz-rot-schwarz  mit grünem Rand; Mütze: eichenlaub-grün mit goldenem Vorstoß (zuerst Schlappformat, später dann auf halbsteifes Format  umgestellt). Der Wahlspruch lautete gemäß der burschenschaftlichen Tradition: „Ehre-Freiheit-Vaterland. Getreu der Farbe, treu dem hehren Vaterland. Treu lasst uns zusammenhalten bis zum letzten Atemzug“

Suevia wuchs rasch zu einem florierenden Bund heran. Ab 1912 wirkten die Aktiven der Burschenschaften Markomannia (gegründet 1905, stahlgrüne Mützen, Farben schwarz-silber-grün) und Suevia in der Ferialburschenschaft Suevo-Markomannia mit violetten Mützen und den Farben schwarz-rot-gold. Die Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig im Deutschen Haus in Brünn im Jahr 1913 fand unter Vorsitz der Burschenschaft Suevia statt und zeigte die Wertschätzung Suevias als herausragende Burschenschaft. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges im Jahr 1914 sah nach und nach viele Sueven an die Front ziehen. Aus diesem Grunde musste im Jahre 1917 der Aktivenbetrieb gänzlich eingestellt werden. Im Urlaub traf man sich in der Bude im Deutschen Schulverein. Am Kriegsende im Jahr 1918 hatte Suevia 13 Kriegstote zu verzeichnen, was natürlich eine erhebliche Dezimierung für den Bund darstellte. Darum fand 1919 eine Fusion mit der ebenfalls durch Kriegstote stark dezimierten Burschenschaft Sudetia Brünn unter dem Namen Burschenschaft Suevo-Sudetia statt. 1920 erfolgte die Gründung des Altherren-Verbandes, und gleichzeitig die Rückbenennung des Aktiven Bundes in B! Suevia Brünn.Die prekäre finanzielle Situation meisterte man dadurch, dass im Schubertbund von den Aktiven Tanzstunden gegeben, und Bälle organisiert wurden. So konnten die notwendigen Anschaffungen nach und nach getätigt werden. Suevia wuchs zu einem Bund mit straffer Organisation und reger burschenschaftlicher und  gesellschaftlicher Betätigung heran. Erwähnt seien hier die machtvollen Stiftungsfeste im Schubertbund  und in der Mensa-Academica mit 200 bis 250 Teilnehmern. Im Jahr 1927 übernahm der Bundesbruder Karl Böhm, gleichzeitig Student der TH Brünn, die Leitung des Altherren-Verbandes. In den  kommenden Jahre war die B! Suevia in vielen  Belangen des Deutschtums in Brünn, sowie bei Sonnwendfeiern, in Turnvereinen, beim Schaufechten und bei Erntelagern im Schönhengstgau, wo feierlich jeden morgen die Suevenfahne gehisst wurde, aktiv.

Da das Sudetenland erst nach den „Münchner Beschlüssen“ 1938 Bestandteil des Deutschen Reiches wurde, ereilte die dort ansässigen Korporationen die „Gleichschaltung“ im NS-Studentenbund vergleichsweise spät. Im Jahr 1940 wurde Suevia wurde dabei zur Kameradschaft „Scharnhorst“ an der Höheren textiltechnische Lehranstalt umfunktioniert.  Aller Vormundschaft zuwider, wurden aber intern oft noch burschenschaftliche Veranstaltungen abgehalten. Den Alten Herren war das Tragen der Farben offiziell gestattet – die Aktiven taten dies verbotenerweise. Dies führte gelegentlich zu Denunziationen, die aber aufgrund der guten Beziehungen von Bundesbruder Dr. Hamscha, der als landwirtschaftlicher Berater in der Gauleitung des Sudetenlandes tätig war, niemals zu ernsthaften Konsequenzen führten. Die letzten Veranstaltungen unter Suevenfarben und die letzten Feiern in der alten Heimat waren 1944 die Couleurhochzeit von Altherrensenior Karl Böhm, der als Leiter der Westmährischen Elektrizitätswerke die ganze Kriegszeit in Brünn verbrachte,  und die Julfeier. Während der Kriegsjahre gab Bundesbruder Böhm regelmäßig Rundbriefe heraus, wodurch die im Felde stehenden oder sonst verstreut wohnenden Sueven über die Geschehnisse im Bunde und über die Schicksale anderer Bundesbrüder bis kurz vor Kriegsende informiert blieben. Nach Krieg, Flucht und Vertreibung waren 42 tote bzw. vermisste Bundesbrüder zu beklagen. Ein stilles Gedenken sei an dieser Stelle den Opfern des in die Geschichte eingegangenen „Brünner Todesmarsches“ gewidmet. Durch die neu geschaffenen Staatsgrenzen nach Kriegsende war Brünn als Studienstadt und Heimat für eine deutsche Burschenschaft verloren gegangen.

Es schien, dass dies das Ende der Suevia sein sollte. Die überlebenden Bundesbrüder waren in alle Winde verstreut. Aber mit zähem Überlebenswillen rief Bundesbruder Dipl.-Ing. Karl Böhm mit einem Brief im Jahr 1948 zur Sammlung und zur Errichtung einer neuen Aktivitas auf. In derb Folge kommt es 1949 zu einem Sueventreffen in Passau, und zum ersten Stiftungsfest nach dem Kriege in Linz. Bei einem Treffen der Alten Herren 1950 in Straubing wird erstmals der Gedanke einer Wiederbegründung in Regensburg erwogen, und bei einem weiteren Treffen 1951 in München beschlossen. Durch entsprechende Keilarbeit, allen voran Alter Herr  Jelinek, konnten in Regensburg junge Studenten für die Burschenschaft begeistert werden, so dass am 26.10.1952 die Wiederbegründung als „Alte Brünner Burschenschaft Suevia zu Regensburg“ erfolgen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich gerade einmal 13 AH.AH. der Brünner Generation wieder zusammengefunden. Suevia wurde an der damaligen Staatsbauschule Regensburg (heute Fachhochschule Regensburg ) 1954 ministeriell genehmigt. Eine zweite Aktivitas, die „Alte Brünner Burschenschaft Suevia zu Coburg“, wurde am 26.02.1954 auf Initiative des Alten Herren Leo Schindler von vier Studierenden der Staatsbauschule in Coburg gegründet. Die Regensburger Aktivitas war  mittlerweile auf sieben Aktive angewachsen. Diese Konstruktion aus zwei Aktivitates mit einem gemeinsamen Altherren-Verband hielt bis in das Jahr 1977. Die Stiftungsfeste wurden abwechselnd in Regensburg und in Coburg gefeiert. Gegenseitige Besuche, Ferialtreffen, Erntelager in Südtirol, Schilager sowie die gemeinsame Verbandsarbeit förderten das Kennenlernen und die Festigung von Freundschaften zwischen den Aktiven an beiden Studienorten.

Unter großen Opfern wurden in den nächsten Jahren Schulungen für die jungen Bundesbrüder durchgeführt, sowie diverse Anschaffungen wie Chargenwichs, Fahne und Mensurausrüstung getätigt (für zwei Aktivitates!). Zum 45. Stiftungsfest 1956 mit Weihe der neubeschafften Fahne fanden sich bereits wieder 47 Sueven ein. Hier wurden auch erste Kontakte zur fachstudentischen B! Wiking zu Mödling geknüpft, die neben vielen anderen Korporationen als Gast zugegen war. Die ersten drei Mensuren nach dem Kriege konnten 1957 in Nürnberg von der Aktivitas Coburg gestellt werden. 1960 war Suevia Mitbegründerin des AWKB (Arbeitskreis Waffenstudentischer Korporationen Bayerns), da es weder in Coburg noch in Regensburg möglich war, die eigenen Partien abzudecken. Durch die Erweiterung der Staatsbauschulen in Regensburg (1958) und in Coburg zu Polytechnika erhielten diese Bildungsanstalten einen größeren Zulauf an Studenten, was auch Suevia zugute kommen sollte. Zum 49. Stiftungsfest in regensburg wurde mit der B! Wiking zu Mödling das Grenzlandkartell geschlossen. Ferner wurde hier die verbliebene AH-Schaft der Brünner B! Cheruskia (gegründet am 04.11.1905, weinrote Samtmützen, Farben grün-rot-gold) in den Altherren-Verband der Suevia aufgenommen. Noch in diesem Jahr konnte auf einem Mensurtag in Coburg die 50. Schlägerpartie nach dem Kriege auf die Farben Suevias ausgetragen werden. Beim 50. Stiftungsfest im Jahr 1961 verzeichnete die Aktivitas einen beachtlichen Stand von 21 Aktiven. Anläßlich des Festkommerses waren im großen Kolpingssaal in Regensburg an die 120 Farbenträger anwesend. Seit Gründung der Universität in Regensburg im Jahr 1962 rekrutierte sich die dortige Aktivitas aus Studenten der Fachhochschule Regensburg und der Universität Regensburg. Unser Bund beteiligte sich in den folgenden Jahren rege am burschenschaftlichem Leben in Regensburg, wie auch in Coburg, chargierte des öfteren bei öffentlichen Anlässen, und beteiligte sich an der Hochschulpolitik. Sie war treibende Kraft bei der Gründung der Deutschen Ingenieur-Burschenschaft im Jahre 1964, die im Verlauf des 53. Stiftungsfestes in Coburg erfolgte. Suevia hatte mehrmals den Vorsitz inne, und war in allen Folgejahren mit Amtsträgern und Funktionären am Geschick der DIB maßgeblich beteiligt.

Durch beharrliche Verbandsarbeit kommt es am Burschentag 1972 in Landau/Pfalz zum Abschluß eines Arbeits- und Freundschaftsabkommens zwischen DB und DIB.

Mit dem Rücktritt von Altherren-Sprecher Karl Böhm (im Bild sitzend 2. v.r.) im Jahre 1977 nach 50-jähriger Amtszeit kam es zu einem tiefgreifenden Einschnitt. In der Auseinandersetzung um seine Nachfolge kam es zu „Hausmachtpolitik“ zwischen Regensburg und Coburg. In deren Folge trat die überwiegende Mehrzahl der aus dem Zweig Regensburg hervorgegangenen Bundesbrüder aus dem Bund aus. Sie organisierten sich zu einem eigenen Altherren-Verband, und führten die Aktivitas in Regensburg weiter. Daher existieren heute zwei getrennten Bünde in der Brünner Traditionsnachfolge, mit gleichen Farben, gleichem Wahlspruch, Farben- und Bundeslied und identischem Zirkel.

Nach längeren Verhandlungen gelingt eine Konsensfindung über die Aufteilung der Mittel des 1960 gegründeten Studentenwohnheim-Bauvereins, dem Mitglieder des Regensburger und des Coburger Bundes angehören. Im Verlauf des 78. Stiftungsfestes wird das mit großem Aufwand renovierte Verbindungshaus in der Goethestraße 5 offiziell eingeweiht. Gleichzeitig finden die Feierlichkeiten zum 25 jährigen Bestehen der DIB statt. In Regensburg wird ein Verbindungshaus erworben. 1994 findet im Rahmen des 83. Stiftungsfestes in Coburg auch die Feier des 30 jährigen Bestehens der DIB statt. Nicht zuletzt als Folge dieser Begegnung kommt es im November zu einer Kreuzkneipe zwischen beiden Aktivitates in Regensburg und der Forderung, den bisherigen rein verbandsbrüderlichen Umgang miteinander weiter zu vertiefen.

Die lange diskutierte Namensumwandlung der Deutschen-Ingenieur-Burschenschaft (DIB) in Deutsche- Hochschul-Burschenschaft (DHB) wird 1995 beschlossen, da dem Verband schon lange nicht nur Studierende aus ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen angehören. Ein Beschluß des Burschentages der DB 1998 ermöglicht es nun FH-Studenten, Mitglied in der DB werden zu können. Bereits am Burschentag 1999 wird der Aufnahmeantrag von sechs Mitgliedsbünden der DHB positiv beschieden (darunter auch Suevia Regensburg und Suevia Coburg), woraufhin sich die DHB mit einem Kommers im Eisenacher Berghotel selbst auflöst.

2001 wurde erstmals nach der Trennung das 90. Stiftungsfestes in Coburg wieder von beiden Bünden gemeinsam gefeiert. Weitere gemeinsame Stiftungsfeste folgten, bis hin zum 95. Stiftungsfest 2006 in Regensburg.